Die Sportfreunde Lotte haben den zweiten Gewinn des Krombacher Westfalenpokals nach dem Triumph von 2015 verpasst. Bei Drittligist SC Verl mussten sich unsere Blau-Weißen im Endspiel völlig verdient mit 0:3 (0:2) geschlagen geben. Zu fehleranfällig, gänzlich harmlos in der Offensive sowie stets den entscheidenden Tick langsamer, kam das Team von Fabian Lübbers nie in die Nähe einer Überraschung. Dennoch kann der zum SV Rödinghausen abwandernde Cheftrainer auf vier erfolgreiche Jahre zurückblicken. Auch, dass es Lotte überhaupt bereits sechsmal in der Vereinsgeschichte ins Finale geschafft hat, dürfte durchaus als kleiner Erfolg anzusehen sein.
Das 154. und damit letzte Pflichtspiel als SFL-Coach ging Fabian Lübbers mit zwei Änderungen im Vergleich zum 2:2-Remis gegen Fortuna Köln an. Denis Milic, wie auch Luca Horn rückten in die Startelf, dafür blieben Diamant Berisha und Shkrep Stublla zunächst auf der Bank.
Mit einer sehr kompakten Herangehensweise in der Defensive galt es, den spielstarken Verlern das Leben so schwer wie möglich zu machen. Dieses erste Ziel des Tages erlitt aber bereits nach wenigen Minuten einen herben Dämpfer: SFL-Torhüter Luca Böggemann ließ einen eigentlich weniger aussichtsreichen Eckball der Hausherren aus den eigenen Händen gleiten, Yari Otto bedankte sich und schloss zur frühen 1:0-Führung ab (3.).
Natürlich ein früher Schock für Lotte, die das defensiv grundsätzlich nicht verkehrt machten. Dennoch fiel es unseren Blau-Weißen gegen das hohe Verler Pressing brutal schwer, selbst mal zur Entfaltung zu kommen. Zu leicht wurden diverse Bälle im Aufbauspiel verloren, resolut verhinderte Fabian Rüth durch seinen Einsatz gerade noch so den schnellen Doppelpack von Otto (11.). Trotz des Rückstands legte Lotte weiter den Fokus auf eine gut organisierte Defensive. Zumindest ein zügiger zweiter Gegentreffer sollte mit aller Macht verhindert werden, um mögliche Resthoffnungen aufrecht zu erhalten.
Doch nach rund einer halben Stunde waren die Sportfreunde dann kurz mal gehörig im Glück! SCV-Spielgestalter Berkan Taz schloss vor dem Strafraum ab und traf nur den linken Innenpfosten. Da wäre Böggemann absolut machtlos gewesen (29.). Ansonsten sah das hinten bei Lotte soweit ganz ordentlich aus, nach vorne fehlte allerdings jede Idee, geschweige denn Gefahr. Leon Demaj probierte es aus großer Entfernung per Freistoß – ohne Ertrag (37.). Nicht nur das frühe unglückliche Gegentor war aus Sportfreunde-Sicht bitter, sondern ebenso das zweite unmittelbar vor der Pause: Gerade hatte die Lübbers-Elf begonnen, ein ganz klein wenig mehr Mut auf den Platz zu bringen, da schlug der Tabellensechste der 3. Liga eiskalt erneut zu: Plötzlich war Mittelfeldmann Fabian Wessig auf und davon, welcher noch einmal auf Taz ablegte, der wiederum mühelos einschob – 2:0 (44.).
Der bis dato denkbar unglücklich verlaufende Nachmittag fand auch im zweiten Durchgang keine Wende mehr. Zunächst war Böggemann beim Freistoß von Almin Mesanovic rechtzeitig unten (48.), wenig später machte jedoch Lottes Kaan Kurt alles andere als eine glückliche Figur! Nach Ballverlust hatte Berkan Taz freie Bahn und mit dem 3:0 war das Ding endgültig gegessen (50.).
Spätestens ab jetzt war dann auch die letzte Spannung raus. Zwar kam Lotte fortan hier und da vor das Verler Tor, doch von Entschlossenheit oder Zielstrebigkeit konnte heute nun wirklich keine Rede sein. Gefährlicher blieb das Heimteam, das durch Michel Stöcker und Fabian Wessig weitere Treffer verpasste (57./64.). Eine kleine Randnotiz gab es im Übrigen trotzdem noch: Luca Böggemann parierte nicht nur den Strafstoß des eingewechselten Alem Japaur (72.), sondern damit ebenso jeden einzelnen Elfmeter gegen sich in dieser Saison (3/3).
Viel mehr passierte bis zum pünktlichen Schlusspfiff bei feinsten sommerlichen Bedingungen nicht mehr. Die Sportfreunde Lotte unterliegen dem klassenhöheren Sportclub Verl völlig verdient mit 0:3 und sind damit in der Saison 2026/27 nicht im DFB-Pokal vertreten. Dennoch dürfen unsere Blau-Weißen über die vielen Pokalnächte der vergangenen Jahre sowie insgesamt sechs Endspiel-Teilnahmen im Westfalenpokal durchaus Stolz sein.
Aufstellung: Böggemann – Kerkemeyer, Rüth, Milic (77. Riemer), Hiepen (62. Brodersen), Kehl – Horn (46. Stublla), Kurt (52. Krasniqi), Klefisch, Ritter – Demaj (62. Wiegel)
Tore: 1:0 Y. Otto (3.), 2:0 Taz (44.), 3:0 Taz (50.)
Schiedsrichter: Cengiz Kabalakli (Gelsenkirchen)
Zuschauer: 2385
(Bericht: Tobias Wehrmeier I Foto: Rolf Grundke)