Rund die Hälfte der Regionalliga-Spielzeit 2025/2026 haben unsere Sportfreunde inzwischen absolviert. Guter Zeitpunkt also, um mit Cheftrainer Fabian Lübbers einmal über verschiedene Themen rund um unser Team zu plaudern. Im folgenden Interview spricht der Coach unter anderem über die sportliche Situation, den Zusammenhalt seiner Truppe und wagt abschließend auch noch einen kleinen Blick in Richtung Zukunft.
Die Hinrunde in der Regionalliga West liegt fast hinter euch, wie würdest du die bisherige Saison insgesamt einordnen?
Fabian Lübbers:
,,Betrachtet man die Statistik, zeigt sich ein durchwachsenes Bild: fünf Siege, fünf Unentschieden und fünf Niederlagen. Insgesamt wäre im Hinblick auf die Punkte sicherlich mehr wünschenswert gewesen. Betrachtet man jedoch die jüngsten Wochen und die Art und Weise, wie die Mannschaft zunehmend den geforderten Fußball umsetzt, ist eine positive Entwicklung erkennbar. Dennoch besteht weiterhin Verbesserungspotenzial. Rückblickend auf die letzten Ergebnisse befindet sich das Team aktuell in einem positiven Trend.’’
Es gab ja einige Höhen und Tiefen, was waren für dich die größten Herausforderungen bisher?
Fabian Lübbers:
,,Die größte Herausforderung war der große Umbruch im Sommer. Mehrere Leistungsträger, die in den vergangenen Jahren wichtige Rollen übernommen hatten und maßgeblich am Erfolg beteiligt waren, haben den Verein verlassen. Dadurch mussten viele neue Spieler in die Mannschaft integriert werden. Die Umsetzung unserer Spielweise ist ein Prozess, der Zeit benötigt. Einige Spieler finden sich schneller zurecht, bei anderen dauert es etwas länger. Das zeigt sich sowohl in den Ergebnissen als auch im Spielverlauf. Wir Trainer bewerten eine Partie nicht ausschließlich nach dem Ergebnis, sondern vor allem nach der Art und Weise. Es gab immer wieder starke Phasen, in denen unser Spiel deutlich erkennbar war, aber auch Momente, in denen wir Lehrgeld zahlen mussten und die Resultate nicht unseren Erwartungen entsprachen.’’
Im Sommer hat sich im Kader einiges verändert, wie blickst du auf den Umbruch zurück?
Fabian Lübbers:
„Die Veränderungen im Sommer muss man differenziert betrachten. Es gab Spieler, die wir gerne in Lotte gehalten hätten, die sich jedoch aus unterschiedlichen Gründen für einen Wechsel entschieden haben. Gleichzeitig haben auch wir bei einigen Positionen bewusst den Schritt gemacht, nicht weiter mit bestimmten Spielern zu planen. Bei den Neuzugängen gab es mehrere Optionen, und wir verfolgen seit einigen Jahren den klaren Weg, verstärkt Spieler aus der Region einzubinden. Dabei setzen wir auf eine Mischung aus jungen Talenten und erfahrenen Kräften. Die größte Herausforderung im Sommer bestand daher darin, eine Mannschaft zusammenzustellen, die diesen Anspruch erfüllt und die Erwartungen bestätigt, die durch die starke Saison im Vorjahr entstanden sind.’’
Welche Gedanken standen hinter den personellen Entscheidungen und worauf hast du bei den Neuzugängen besonders Wert gelegt?
Fabian Lübbers:
„Bei Gesprächen über mögliche Neuzugänge steht für uns nicht nur die sportliche Leistung im Fokus. Durch heutige Analyse- und Videomöglichkeiten kann man die sportliche Qualität gut einschätzen. Wichtiger ist, im persönlichen Austausch den Menschen hinter dem Spieler kennenzulernen und festzustellen, ob er zu unseren Vorstellungen und Werten passt. Dabei trifft man nicht immer zu hundert Prozent richtig, manchmal passt es hervorragend, manchmal zeigt sich erst später, dass es doch nicht optimal ist. Das ist im Vorfeld nie völlig vorhersehbar. Im Verlauf dieses Prozesses entsteht dann nach und nach ein Bild davon, welche Spieler man gerne im Verein haben möchte. Bei einigen Gesprächen kommt es jedoch auch nicht zur Vertragsunterzeichnung, das liegt immer an beiden Seiten. Mal entscheidet sich ein Spieler aus persönlichen Gründen dagegen, mal sind wir es, die den Schritt nicht gehen. So hat sich letztlich in einem langen Entscheidungsprozess ein Kader entwickelt, der sich im Vergleich zur vergangenen Saison in vielen Bereichen deutlich verändert hat.’’
Hat sich im Laufe der Hinrunde dein taktischer Ansatz oder euer Spielsystem verändert, beispielsweise durch Verletzungen, Gegner oder Lernprozesse im Team?
Fabian Lübbers:
„Definitiv, das hat sich im Laufe der Hinrunde auf jeden Fall entwickelt. Das war aber auch in den vergangenen Jahren so, denn als Trainer muss man sich stets auf unterschiedliche Rahmenbedingungen einstellen. Sperren, Verletzungen oder Formschwankungen einzelner Spieler gehören dazu. Deshalb legen wir uns zu Saisonbeginn bewusst nicht auf ein einziges Spielsystem fest. Natürlich gibt es eine Grundformation, in der wir uns wohlfühlen, aber insgesamt sind wir sehr flexibel. Das hat sich auch in den Spielen gezeigt: Wir agieren je nach Situation mit einer Dreier- oder Viererkette und passen die Struktur immer wieder an den Gegner und die aktuelle Lage an. Diese Anpassungen gehören zu unserem Ansatz und werden mit Sicherheit auch in den kommenden Wochen weiterhin eine Rolle spielen.’’
Wie nimmst du das Niveau in der Regionalliga West in dieser Saison wahr?
Fabian Lübbers:
,,Meiner Meinung nach bestätigt sich, was vor der Saison viele vermutet haben. In den vergangenen Jahren gab es jeweils einen Verein, der als „Schwergewicht“ galt, zuletzt war es der MSV Duisburg, davor Alemannia Aachen. In dieser Saison gibt es ein solches dominantes Team nicht mehr, weshalb die Liga insgesamt sehr ausgeglichen ist. Wenn man unsere bisherigen Spiele betrachtet, haben wir viele Begegnungen nur knapp für uns entschieden, oft mit nur einem Tor Unterschied. Gleichzeitig gab es auch Partien, die wir verloren oder nur unentschieden gespielt haben, wie zuletzt gegen Gütersloh, wo ein Sieg möglich gewesen wäre. Diese Ausgeglichenheit zeigt sich meiner Ansicht nach in der gesamten Liga: Jedes Spiel ist hart umkämpft, und man kann im Vorfeld nicht genau vorhersagen, wie es ausgeht. Für neutrale Zuschauer macht genau das die Liga besonders spannend. Für uns als Mannschaft bedeutet es jedoch eine große Herausforderung, Woche für Woche die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Positiv ist dabei, dass wir gegen jeden Gegner gewinnen können, gleichzeitig müssen wir aber auch akzeptieren, dass wir jedes Spiel verlieren können.’’
Wo siehst du momentan das größte Potential?
Fabian Lübbers:
,,Rückblickend auf die Saison, besonders nach dem Spiel gegen Wuppertal, in dem wir nicht unsere beste Leistung gezeigt haben, haben wir intensiv mit der Mannschaft gesprochen und einige Anpassungen vorgenommen. Seitdem spielt das Team deutlich stabiler. Wenn die Startelf unverändert auflaufen konnte und keine Verletzungen dazwischenkamen, mussten wir nur minimale Veränderungen vornehmen.
Man sieht bereits, dass wir auf einem guten Weg sind. Dennoch gibt es insbesondere im taktischen Bereich noch deutliches Potenzial, das wir weiter ausschöpfen möchten. In den kommenden Wochen und Monaten geht es darum, diese Verbesserungen konstant abzurufen und sowohl die individuelle Leistung jedes Spielers als auch die Stärke des gesamten Teams weiter zu steigern.’’
Wie würdest du den Teamgeist aktuell beschreiben und welche Bedeutung hat er für euren sportlichen Alltag?
Fabian Lübbers:
,,Teamgeist ist für uns sehr wichtig, er bildet die Grundlage unseres Zusammenhalts. Die Spieler verbringen sehr viel Zeit miteinander, oft sogar mehr als mit ihren Familien, und daher ist der gegenseitige Zusammenhalt besonders wichtig. An dieser Stelle muss man den Jungs ein großes Kompliment aussprechen. Ich sehe täglich, wie der Teamgeist wächst, auch in Phasen, in denen es mal nicht so gut läuft oder wir von außen Gegenwind erfahren. Die Mannschaft hält immer zusammen, mit dem klaren Fokus und Ziel, sich kontinuierlich zu verbessern. Dieser Zusammenhalt ist die Basis unseres Erfolgs, und wir setzen ihn aktuell sehr gut um.’’
Wie wichtig ist für dich die Kommunikation innerhalb der Mannschaft, aber auch mit dem Trainerteam?
Fabian Lübbers:
,,Kommunikation ist für uns von zentraler Bedeutung. Selbst wenn das Trainerteam die beste fußballerische Idee hat, wird es schwer, diese auf dem Platz umzusetzen, wenn die Spieler sich nicht damit identifizieren können. Daher ist ein offener Austausch das A und O. Wir sprechen regelmäßig mit den Spielern, um sicherzustellen, dass sie sich sowohl auf dem Platz als auch abseits wohlfühlen. Diese Kommunikation ist neben der fußballerischen Arbeit eine der wichtigsten Aufgaben, weil wir es mit Menschen zu tun haben. Sie sollte sowohl innerhalb des Trainerteams als auch zwischen Trainern und Spielern gepflegt und ernst genommen werden.’’
Was nimmst du persönlich aus der Hinrunde mit, auch in Bezug auf die eigene Entwicklung?
Fabian Lübbers:
,,Ich sehe Parallelen zu meinem ersten Jahr als Trainer, als wir in der Oberliga eine ähnliche Hinrunde gespielt haben, damals allerdings mit einem komplett neuen Kader. Dieses Jahr sind die Ansprüche durch die Erfahrungen der letzten Saison etwas höher, und aus solchen Phasen lernt man persönlich wie auch als Team sehr viel. Innerhalb des Vereins wissen wir genau, worauf es ankommt, und wir lassen uns auf diesem Weg nicht von außen beeinflussen. Es können viele Kommentare oder Meinungen kommen, aber das stärkt sowohl die Mannschaft als auch mich persönlich. Es kann nicht immer nur bergauf gehen. Nach drei Jahren sportlichem Erfolge stehen wir aktuell im Tabellenmittelfeld, doch wir wissen, woher wir kommen und was uns erfolgreich gemacht hat. Diesen Weg werden wir konsequent weiterverfolgen. Phasen wie diese sind aus meiner Sicht entscheidend für die persönliche Entwicklung.’’
Was sind die Ziele oder Schwerpunkte für die Rückrunde?
Fabian Lübbers:
,,Insgesamt betrachtet ist es relativ klar: Wir wollen uns in allen Bereichen verbessern. Dazu gehört, dass wir mehr Heimspiele gewinnen, unsere Auswärtsergebnisse steigern und insgesamt mehr Punkte sammeln. Offensiv wollen wir mehr Tore erzielen, defensiv kompakt stehen und weniger Gegentore zulassen. Diese Werte sind auch statistisch messbar, und wir wollen in allen Punkten Fortschritte erzielen. Gleichzeitig wollen wir an den Dingen festhalten, die wir in den vergangenen Jahren gut gemacht haben, insbesondere die Entwicklung unserer Spieler, die vielleicht in Zukunft den nächsten Schritt bei einem anderen Verein gehen können.’’
Wenn du einen Wunsch für den weiteren Saisonverlauf frei hättest, welcher wäre das?
Fabian Lübbers:
,,An erster Stelle steht, dass jeder Spieler verletzungsfrei und gesund durch die Saison kommt, das ist die Basis für alles. Sportlich wünschen wir uns, möglichst viele Spiele zu gewinnen, eine erfolgreiche Saison in der Regionalliga West zu spielen und nach Möglichkeit den Westfalenpokal zu gewinnen, den wir letztes Jahr im Finale leider knapp verpasst haben. Zudem wäre es großartig, erneut die Teilnahme am DFB-Pokal zu sichern – zum dritten Mal in Folge.’’
(Interview: Alina Wanner I Foto: Sarah Wick)