Uff, das war ein ganz merkwürdiger Nachmittag am Lotter Kreuz. Mit großen Personalsorgen sind unsere Blau-Weißen gegen Tabellenschlusslicht SC Wiedenbrück angetreten und letztendlich nicht über ein torloses 0:0 hinausgekommen. Vor allem in Sachen Offensive musste Trainer Fabian Lübbers im Vorfeld einige Experimente eingehen, doch ein bis zwei gelernte Stürmer waren schlichtweg nicht zu ersetzen. Da echte Torgelegenheiten quasi nur auf das Gäste-Konto gingen, wirkt selbst jene „Nullnummer“ zum Schluss etwas schmeichelhaft.
Es sollte bereits weit vor dem Anpfiff des 23. Spieltags eine echte Mammutaufgabe für den Sportfreunde-Coach sein, der schon zuvor von einem „Puzzlespiel“ sprach. Kein Wunder, musste Fabian Lübbers doch beinahe auf seine gesamte Offensiv-Abteilung verzichten. Neben etwa den verletzten Isaak Nwachukwu, Samuel Addai oder dem angeschlagenen Shkrep Stublla, fehlte zu allem Überfluss auch noch Torjäger Leon Demaj gelbgesperrt.
Im Vergleich zum 1:1 bei der Kölner U21 rückten Luca Kerkemeyer, Kamer Krasniqi, Andi Wiegel sowie Diamant Berisha ins Lotter Anfangsaufgebot. Besonders die beiden letztgenannten waren am heutigen Samstagnachmittag interessante Personalien, da sie gezwungenermaßen gemeinsam das Angriffs-Duo bildeten. Dass kein richtiger Fußball-Leckerbissen auf die Zuschauer am Lotter Kreuz gegen ein aufopferungsvoll kämpfendes Tabellenschlusslicht warten sollte, schien beinahe erwartbar. Doch das Aufeinandertreffen mit den Ostwestfalen bot im ersten Durchgang nahezu kaum Highlights. Der SCW stand kompakt, Lotte fiel so gut wie gar nichts ein. Das Geschehen fand überwiegend zwischen beiden Strafräumen statt.
Erst rund zehn Minuten vor dem Pausentee schien das Duell langsam an Fahrt aufzunehmen. Doch leider galt das eher für das Team von Cheftrainer Sascha Mölders: Der Ex-Lotter Moussa Doumbouya verlängerte die Kugel perfekt mit dem Kopf auf den rechten Flügel. Davud Tuma legte von Außen ins Zentrum, wo SFL-Keeper Luca Böggemann gerade noch so vor Benjamin Friesen zur Ecke retten konnte (36.). Lediglich Sekunden später waren die Sportfreunde wieder im Glück! So konnte Böggemann den Tuma-Schuss aus dem Hintergrund nicht festhalten, doch Doumbouya traf im Anschluss das leere Tor nicht (37.). Generell arbeitete sich der SC Wiedenbrück akribisch in die Partie, welcher das häufig uninspiriert wirkende Heimteam jedoch nicht bestrafen konnte.
Für viele Zuschauer auf der Haupttribüne glich der Pausenpfiff heute streng genommen fast einer Art Erlösung. So ideenlos und offensiv blass hatten sie ihre Mannschaft lange nicht mehr erlebt. Die Hoffnung auf einen deutlich verbesserten zweiten Spielabschnitt gab allerdings noch keiner so recht auf. Auch Lübbers reagierte, brachte mit Jonas Kehl sowie Luca Horn zwei frische Kräfte. Unter anderem musste der in vorderster Front unauffällige Andreas Wiegel weichen.
Jedoch lag es nicht ausschließlich am Auftritt des eigenen Teams. Ebenso machte sich Schiedsrichter Nils Hasse nach einigen fragwürdigen Entscheidungen keine wirklichen Freunde am Lotter Kreuz. Dennoch: Überwiegend blieb das Bild unverändert. Die Sportfreunde Lotte taten sich außerordentlich schwer gegen kompakte, einsatzfreudige Gäste. Fast jeder zweite Ball sollte bei den ganz in Gelb auflaufenden Ostwestfalen landen. Davud Tuma fasste sich mal vor dem Sechzehner ein Herz, schloss aber klar zu hoch ab (55.).
Es folgte die einzig echte Möglichkeit unserer Blau-Weißen, praktisch aus dem Nichts in Führung zu gehen! Nach einem Eckball bot sich plötzlich Innenverteidiger Louis Hiepen die Chance, der allerdings im Gewühl den Kasten ein Stück verfehlte (60.). Das war im Grunde alles in puncto offensive Gefahr der SFL. Der Tabellenletzte wiederum wurde in Richtung Schlussphase merklich zwingender und brauchte klarerweise dringend die drei Punkte im Abstiegskampf. Irgendwie erwischte der griechische Defensivmann Charalampos Chantzopoulos eine Linksflanke mit der Schulter, bevor das Leder nur hauchdünn rechts am Pfosten vorbeisegelte (67.).
Immer mehr lautstarke Pfiffe waren von den Tribünen zu vernehmen, denn die Sportfreunde konnten sich in diesen Minuten kaum mehr vom Druck der Gäste befreien. Eine ganze Serie an Wiedenbrücker Eckbällen verpuffte in der Folge. Von den Sportfreunden kam nichts mehr – würde wenigstens das 0:0 halten? Benjamin Friesen prüfte Luca Böggemann, der das Leder diesmal im Nachfassen unter Kontrolle bekam (87.). Abgesehen von besagtem Aussetzer in Halbzeit eins, machte der junge Torhüter heute eine solide Figur und fing gefühlt mehr als ein halbes Dutzend hoher Hereingaben ab.
Trotzdem half so ein wenig auch die mangelnde Effizienz des Gastes, dass überhaupt etwas Zählbares verbucht werden konnte: Marlon Lakämper brachte einen letzten Freistoß mustergültig hoch in den Strafraum, aber Saban Kaptan köpfte genau in die Arme von Böggemann. Das hätte der ganz späte K.O. für die SFL sein können (90.).
Das war’s. Völlig harmlose Sportfreunde bleiben schließlich dennoch weiter ungeschlagen im neuen Jahr und sammeln durch das 0:0 gegen den SC Wiedenbrück zumindest einen weiteren Punkt. Die vielen Umstellungen und eine Elf ohne echten Stürmer, hinterließen über 90 Minuten schlichtweg dann doch zu viele Spuren.
Sportfreunde Lotte: Böggemann – Rüth, Hiepen, Milic – Kurt (46. Kehl) – Kerkemeyer, Krasniqi, Klefisch, Ritter (87. Riemer) – Berisha (58. Zentler), Wiegel (46. Horn)
SC Wiedenbrück: Kasparek – Amedick, Chantzopoulos, Udelhoven, Kondziella, Stabenau (53. Mai) – Gerhardt, Riedl – Tuma (67. Kaptan), Friesen – Doumbouya (67. Lakämper)
Tore: Fehlanzeige
Schiedsrichter: Nils Hasse (Lügde)
Nächstes Spiel: Auswärts (Samstag, 28. Februar, 14 Uhr) beim SC Paderborn II.
(Bericht: Tobias Wehrmeier I Foto: Rolf Grundke)