Puh, was ein hitziges Aufeinandertreffen im Stadion am Zoo! Gegen den abstiegsbedrohten Wuppertaler SV kamen unsere Blau-Weißen nach emotionalen 90 Minuten nicht über ein 0:0 hinaus. Trotz frühem Überzahlspiel, dem klaren Plus an Ballbesitz sowie einigen guten Torchancen, agierte Lotte heute wohl dennoch insgesamt etwas zu inkonsequent und ungenau, um das Duell letztlich für sich zu entscheiden. Auch der zweite WSV-Platzverweis des Tages änderte daran nicht mehr allzu viel. So muss das Lübbers-Team schließlich mit dem Remis gegen ein aufopferungsvoll kämpfendes Heimteam leben.
In den letzten beiden erfolgreichen Pflichtspielen hatte der Sportfreunde-Coach stets die selbe Elf auf den Rasen geschickt. Heute nahm Fabian Lübbers dann doch drei Änderungen vor: Für Fabian Rüth, Kaan Kurt (Gelbsperre) und Shkrep Stublla (nicht im Kader), liefen heute Jonathan Riemer, Marius Zentler sowie Diamant Berisha von Beginn an auf. Letzterer stand im Übrigen vor seiner 100. Regionalliga-Partie.
Dass für den gastgebenden Wuppertaler SV jede Menge auf dem Spiel stand, zeigten bereits die Anfangsminuten. Von Trainer Mike Wunderlich offenbar ordentlich eingestellt, suchte der Tabellen-16. gleich beherzt den Weg nach vorne und erarbeitete direkt mal eine erste kniffelige Situation im Lotter Sechzehner. Die Pfeife von Schiedsrichter Francisco Lahora Chulian blieb aber vorerst stumm. Anders als in der unmittelbar folgenden Szene! Max Ritter wurde sichtlich unangenehm getroffen und musste mit Schmerzen über mehrere Minuten behandelt werden. Das kuriose daran: Augenscheinlich suchte der Referee aus Bonn mindestens ebenso lange nach dem Übeltäter. Wer hatte das Foul denn nun begangen? Zehn Minuten vergingen, da schickte Chulian schließlich Subaru Nishimura mit Roter Karte vom Feld. Wie auch immer sie plötzlich zustande kam, es war zumindest die korrekte Entscheidung (13.).
Rechnet man jene zehnminütige Auszeit mit ein, standen Lotte gute 85 Minuten in Überzahl bevor. Für den WSV kam es indes noch übler, weil auch Schlüsselspieler Dildar Atmaca verletzungsbedingt das Feld recht schnell verlassen musste. Und sportlich? Da gehörte den Sportfreunden fortan erwartungsgemäß viel der Ball, doch mit einer durchaus möglichen Führung sollte es zunächst nicht klappen. Kamer Krasniqi’s Eckball wurde von Luca Horn bzw. Louis Hiepen verlängert, am zweiten Pfosten bekam Max Ritter das Spielgerät aber nicht über die Linie (24.). Im Tor war der Ball dann zwar fünf Minuten später, jedoch befand sich der aktiv eingreifende Ritter nach ursprünglichem Abschluss von Marius Zentler im Abseits (28.).
Ohne Frage, das Lotter 1:0 lag klar in der Luft. Sie spielten sich immer weiter vorne fest, ließen aber wenig klare Aktionen folgen. Ben Klefisch zielte knapp links vorbei (31.), Zentler probierte es artistisch ohne Erfolg (38.), auch Leon Demaj’s Abschluss war am Ende kein Problem für Ex-SFL-Keeper Michael Luyambula (44.). Wie aus dem berühmten Nichts sahen 1406 Zuschauer im Stadion am Zoo fast noch die WSV-Führung vor dem Seitenwechsel! Cenk Durgun spielte den langen Schlag auf den vorne lauernden Vincent Schaub, der das Leder rechts am Tor vorbeiköpfte (45.+9). Nach den zehn angehängten Minuten bittete der heute oft in Erscheinung tretende Schiedsrichter Francisco Lahora Chulian schließlich zum Pausentee.
Auch im zweiten Durchgang bestimmte die Lübbers-Elf grundsätzlich das Geschehen, kam aber zunächst nicht mehr so klar ins Spiel, wie noch in den ersten 45 Minuten. Das lag auch daran, dass sich der WSV jetzt selbst deutlich mehr traute und auf Nadelstiche setzte. Levin Müller steckte klasse auf Vincent Schaub durch, doch der Winkel war am Ende ein wenig zu spitz (56.). Wuppertal kaufte den Sportfreunden zwischenzeitlich trotz Unterzahl etwas den Schneid ab und hatte später die große Gelegenheit selbst in Front zu gehen: Eine feine Flanke des eingewechselten Noah Heim erreichte Stürmer Josue Santo, der seinen Kopfball-Versuch aus wenigen Metern knapp am Tor vorbeisetzte (72.). In dieser Phase hätte sich Lotte wohl über einen Rückstand nicht beschweren dürfen.
Den Gästen fehlte es oft an wirklicher Zielstrebigkeit und kleine Fehler machten Lotte zudem das Leben schwer. Dennoch zogen unsere Blau-Weißen das Tempo nochmals an und Möglichkeiten waren zweifelsohne da: Andi Wiegel wurde gerade noch geblockt (61.), Luca Kerkemeyer zielte aus dem Hintergrund knapp rechts vorbei (73.), Krasniqi behauptete sich im Strafraum und traf lediglich den Pfosten (75.). Ebenso vergab Diamant Berisha, der den Fuß in eine Demaj-Hereingabe hielt (76.).
Die Partie gewann jedoch in der Schlussphase erst recht an Brisanz, weil Schiedsrichter Chulian auf einmal den nächsten WSV-Akteur vom Platz stellte! Eigentlich sollte Mittelfeldmann Celal Aydogan für ein Foul an Lottes Jonas Kehl lediglich den gelben Karton sehen, ließ sich dann allerdings zusätzlich zu einer Tätlichkeit gegen Denis Milic hinreißen. Neben Nishimura flog nun also ebenso Aydogan vom Feld (83.).
Doch all das half den Sportfreunden nicht mehr. Auch gegen neun leidenschaftlich verteidigende Hausherren sollte kein entscheidender Treffer mehr herausspringen. Somit endet eine denkwürdige, kuriose und emotionale Begegnung im Stadion am Zoo am Ende des Tages (wie bereits im Vorjahr) mit 0:0. Ein SFL-Sieg war zwar mehr als nur im Rahmen des Möglichen, aber schlussendlich fehlte es an Effizienz sowie vielleicht auch der letzten Konsequenz nach einer harten Pokalwoche.
Wuppertaler SV: Luyambula – Nishimura, Stojanovic, Duncan, Miyamoto – Durgun, Aydogan, Hirschberger (46. L. Müller, 68. Fehr) – Saric (28. Rebronja), Atmaca (18. Santo), Schaub (68. Heim)
Sportfreunde Lotte: Böggemann – Riemer (46. Wiegel), Hiepen, Milic – Horn (67. Kerkemeyer), Klefisch, Krasniqi, Zentler, Ritter (67. Kehl) – Berisha (89. Rüth), Demaj
Tore: Fehlanzeige
Rot: Nishimura (13./WSV), Aydogan (83./WSV)
Schiedsrichter: Francisco Lahora Chulian (Bonn)
Zuschauer: 1406
Nächstes Spiel: Zuhause (Freitag, 27. März, 19 Uhr) gegen den SV Rödinghausen.
(Bericht: Tobias Wehrmeier I Foto: Sarah Wick)